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Samstag, 31. Oktober 2015

Ladies and Gentlemen: This is Scotland


Schottland trifft mich erneut. Dieses mal neben meiner kulturell-lebendigen auch meine melancholisch-ruhige Seite. Es war mehr als nur ein kurzes "in die Augen schauen". Weitaus mehr. 
Ich habe mich in Schottland verliebt. Ein weiteres mal. Endgültig. 

Mit unserem gemieteten Auto haben wir die Schönheit und Einsamkeit der schottischen Highlands, die kulturellen Einzigartigkeiten von Städten wie Inverness, Glancoe oder Oban und auch die raue Küste und das kraftvolle schottische Meer erleben dürfen.

Tag 1 + 2
Am Freitag haben wir uns, wie im ersten Teil erwähnt, in den Holyrood Park gewagt. Dieser eindrucksvolle Park mit einem beachtlichen Hügel in der Mitte vermittelt ein Gefühl von Natur, welches nur selten in einer Grossstadt erreicht wird. Diesen zu erklimmen erfordert allerdings eine nicht zu unterschätzende Kondition. Auch wenn man mit dreckigen Schuhen rechnen muss, sind die Wege meist sehr gut zu bewältigen. Nimmt man allerdings Abkürzungen, werden diese oft zu einer sportlichen Herausforderung, denn umso kürzer, umso steiler sind die Kletterbedingungen. Und hinunter wählten wir einen der kürzesten. 

Obwohl immer wieder wunderschön, war für mich bisher alles bekannt. Mit dem Auto haben wir dann in sechs Tagen beinahe ganz Schottland umrundet- somit betrat auch ich schottisches Neuland.


Tag 3
Wir fuhren am ersten Tag über ein Landstrasse mitten durch die Highlands bis nach Inverness. Das war (begleitet von wunderschönem Wetter) eine der beeindruckendsten Erfahrungen, welche ich bisher mit Schottland erleben durfte. Die Natur ist schlicht atemberaubend und zumindest zu dieser Jahreszeit alles andere als überlaufen. Meistens waren wir absolut allein. Kein Auto, keine Menschen, nur die Natur... und wir. Die Strasse hingegen war nicht immer in bestem Zustand, zuweilen äusserst eng, steil und unübersichtlich. So braucht es bisweilen eine gehörige Portion Mut, diese zu befahren. Mein lieber Beifahrer verlor so auch teilweise etwas Farbe im Gesicht. Ob das nun an der Strasse oder an meinem Fahrstil lag, sei dahingestellt. Spass machte das Rally-artige Fahren allemal.Danach waren die Strassen eigentlich bis zurück nach Edinburgh beinahe ausnahmslos in sehr gutem Zustand.
 

Tag 4
Inverness ist eine "Büezer"-Stadt. Sie wirkt hart und teilweise versteckt sie ihre kultivierte Seite sehr erfolgreich. Trotzdem besitzt die Stadt eine sehr sympathische Ausstrahlung. Ausgangstechnisch verfügt die Stadt über schottisch typische, tolle Pubs mit teilweise überragender Live- Musik und aufgeschlossenen, unkomplizierten Gästen. Die Ausflüge danach nach Helmsdale und an den Loch Ness waren nichts besonderes. Wir waren da. Abgehackt. Mehr gibt's leider nicht zu melden.

Tag 5
Danach gings mit dem Auto über Dornie und stückweise über die Isle of Skye nach Glencoe. Das Eilean Castle auf dem Weg war ein weiteres Highlight unserer Tour. Obwohl das Wetter an diesem Tag leider nicht ganz mitspielte, ist die Burg (von aussen wie auch von innen) sehr beeindruckend. Oberhalb von Glencoe befindet sich noch der bekannte Glenfinnan Vidaukt aus den "Harry Potter"- Filmen. Leider ist der vom Auto aus aber nur sehr schlecht zu sehen und für eine Wandertour war es bereits zu spät.


Tag 6
Unser nächster Tag führte und über Oban und die Isle of Arran nach Glasgow. Oban ist eine sehr charmante, kleine Hafenstadt und absolut einen Besuch wert. Die Strecke war sehr angenehm zu fahren und gespickt mit einem tollen Mix aus faszinierenden Küsten, wunderschönen Hügeln und beeindruckenden Burgen. In Glasgow waren wir nur ein Nacht- und wenn wir auch nur wenig gesehen haben, lässt sich schnell erahnen, warum Edinburgh deutlich mehr Touristen anzieht. So war die Stadt weniger einladend und viel chaotischer als die östlichere Hauptstadt. Trotz allem strahlt Glasgow etwas bestimmtes aus, was aber wohl nach einer Nacht noch nicht greifbar ist.


Tag 7
Unser letzter Tag mit dem gemieteten Auto führte uns bis nach North Berwick zum Tantallon Castle und wieder zurück in "mein" Edinburgh. Das Tantallon Castle war eine unglaubliche Erfahrung. Die strahlende Sonne sorgte für grandiose Lichtverhältnisse. Der Starke Wind erzeugte eine Atmosphäre der Stärke und die Tatsache, dass wir das Castle beinahe eine ganze Stunde für uns allein hatten, sorgte für eine perfekte Abrundung der ganzen Szene. Wenn man in Edinburgh weilt, lohnt sich ein (etwas halbtätiger) Ausflug in diese faszinierende Burg absolut.


Tag 8
Der letzte vollständige Tag in Edinburgh gingen wir gemütlich an. Einkaufen, in den Parks lesen, Museumsbesuche... ohne Kameras... ein letztes Mal Schottland geniessen, bevor es wieder nach Hause ging.

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Schottland- die Ankunft

Ich bin also in Schottland. Erneut in Schottland. Nach 2011 und 2014 flog ich heute Mittag zum dritten mal innert vier Jahren nach Edinburgh. Trotzdem wird dieses mal alles anders. Nachdem der Fokus der letzten beiden Besuche vor allem auf Edinburgh selbst lag, wird dieses mal mit einem gemieteten Auto das schottische Landleben erkundet- und dies hat es in sich. Knapp 70% der Bevölkerung lebt nämlich in den Städten Edinburgh und Glasgow. Da bleibt nicht mehr viel übrig für den Rest des Landes. Entsprechend wird diese Reise mit einem auch eine Art Flucht vor der Zivilisation. Nicht, weil wir dessen überdrüssig sind, sondern einzig und alleine aus Neugierde. Die wunderschönen schottischen Highlands mit den vielen Ruinen und den imposanten Burgen... 



Nach einem etwas mühsamen Boarding landeten wir schliesslich um ca. 15.00 Uhr in Edinburgh. Von diesem Zeitpunkt bis jetzt, 00.38uhr am zweiten Tag, passierte nicht viel spannendes. Wir starteten im Regen (Basel) und landeten in der Sonne (Edinburgh). Wir gewannen eine Stunde, welche wir auf dem Rückflug aber leider wieder verlieren werden. Wir stillten unseren Hunger mit einem köstlichen Burger und unseren Durst mit einigen, meist auch süffigen, Bier. Nun bin ich im Hostel und Simon streift noch irgendwo (ich hoffe nicht orientierungslos) durch das Edinburgh'er Nachtleben. Das Hostel (Castle Rock) ist wirklich klasse. Sehr gut gelegen (unmittelbar beim Edinburgh Castle), toll eingerichtet und bisher stets sauber. 



Schon bald verlassen wir die Stadt und nehmen uns des hiesigen Landlebens an. Wir freuen uns sehr auf diesen Kontrast.

Auf Bald


Update:
Es ist mittlerweile Morgens 7.24 Uhr. Unsere ZimmergenossInnen gehören nicht gerade zur Kategorie "geschickt" oder "äusserst Rücksichtsvoll", was aber nicht weiter tragisch ist, denn es 'erlaubt' mir, bereits jetzt im Aufenthaltsraum zu sitzen und zu warten, bis sich Simon (der den Weg ins Hostel doch noch gefunden hat, was aufgrund schwieriger Orientierung in dieser Stadt durchaus nicht selbstverständlich ist ;) ) aus dem Bett quält.

Danach geht's zu einer kleinen Klettertour in den Holyrood Park. Ihr hört bald mehr von uns!

Mittwoch, 30. Juli 2014

Die andere Seite von Edinburgh

Underground-Tour
...das schwache Licht eines Handydisplays beleuchtet als einzige Lichtquelle den tief unter der Erde liegenden Raum. Die einzigen visuell wahrnehmbaren Punkte für die anwesenden Personen waren blutende Augen in einem leichenblassen Gesicht und die langen, dichten und ungepflegten blonden Haare der einzigen Person im Raum, die sprach. Sie sprach langsam und unaufgeregt, aber angsteinflössend und eindringlich.
Ihre Augen waren weit aufgesperrt, als sie die Geschichte eines kleinen Mädchens erzählte, welches diesen Raum durch einen grausamen Akt der Barbarei nicht überlebte. Noch heute spüren anwesende Personen eine kalte Hand auf ihrer Wange oder erkennen Schatten, die von keiner sichtbaren Person geworfen wurden. Die Augen der Zuhörer weiten sich, das Gesicht der Erzählerin zeigt ein diabolisches Lächeln... das Handydisplay geht aus. Absolute Dunkelheit. Ohrenbetäubende Stille. Die kleine Gruppe von Menschen, die sich im Untergrund von Edinburgh befand, klammerte sich aneinander. Tanja hielt mich fest. Alle wussten, das etwas passieren wird. Etwas erschreckendes. Doch nichts schreckliches geschah. Die Geschichte wurde weitererzählt. Jetzt noch theatralischer, jetzt noch gruseliger... Und auf einmal, nach Geschichten über Tote, Eingeweide, Geister und Flüche, wurde es totenstill in dieser absoluten Dunkelheit. Und plötzlich... PENG.

Mit diesem lauten Knall endete unsere Tour in den Unterstadt von Edinburgh. Eine gut einstündige Tour, welche uns gruselige Mythen und wahre Geschichten über die heute teilweise noch lebendige Geschichte versprach. Im Grossen und Ganzen war die Tour nichts besonderes. Sie führte über Friedhöfe und es wurde auf Gräbern getanzt. Schlussendlich landeten wir in zwei unter der Erde liegenden Räumen. Respektive in der Stadt unter der Stadt. Da Edinburgh, wie wir es heute kennen, auf der Stadt gebaut wurde, die es ursprünglich mal war, gibt es zig solcher unterirdischen Räume, Gänge und ganze Strassen einer vergessenen Metropole. Diese beiden Räume boten eine Menge Nervenkitzel und einige Schockmomente. Doch diese waren leider alles in allem etwas zu knapp bemessen.


Loch Ness und die Highlands
Einen Tag zuvor begaben wir uns auf eine zwölfstündige Highland- Tour mit dem Highlite 'Loch Ness'. Gleich mal vornweg: WIR HABEN ES GESEHEN... also Nessi. Nicht aus dem Wasser steigend und riesengross, zugegeben, aber ansonsten in allen Varianten aus Stoff, Plastik, Lehm, mit Höcker, ohne Höcker, mit Hut und Dudelsack etc. Vermarktung einer Illusion in beeindruckender Art und Weise. Loch (alt-schottisch für 'See') Ness ansonsten war eine grosse Enttäuschung. Es ist nur ein sehr grosser See mit einer durchschnittlichen Kulisse und eben halt diesem Mythos. Die einstündige Bootsfahrt auf diesem bekannten Gewässer und die dafür bezahlten 25 Pfund (ca. 38 CHF) hätten wir uns getrost sparen können.
Ansonsten war der Ausflug, wenn auch aufgrund der Dauer sehr anstrengend, sein Geld absolut wert. Wir konnten sehr viel Interessantes über Schottland erfahren und einen Eindruck über die Highlands sowie über die Lowlands (wozu auch Edinbrugh und Glasgow gehören) gewinnen. Was auch in Erinnerung bleibt, ist die Faulheit der Schotten, wenn es um Namensgebungen von Orten und Gebäuden geht. So bauten sie eine neue Brücke und nannten diese... „New Bridge“... oder sie entdeckten einen See und nannten diesen... „See“ ... also heisst der jetzt „Loch Lochi“ (der See 'See') ... oder sie entdeckten einen neuen Hügel und nannten diesen „New Hill“ ... ein Bein ausgerissen haben sie sich diesbezüglich also nicht ;).



Schottland und die Mode
Ein weiteres mal schockierend, und ich bin froh, dass Tanja diese Auffassung absolut teilt, war die Mode der Schotten. Wobei hier unglaublich viel Verständnis aufgebracht werden muss, wenn man von „Mode“ sprechen will. Tanja und ich waren uns einig, dass wohl ein Grossteil der Schotten einfach keinen Spiegel besitzt; anders können wir uns nicht erklären, wie sich so unglaublich viele Menschen so unglaublich unpassend auf die Strasse trauen. Man könnte diese geschmackliche Verfehlung beinahe als Touristenattraktion bezeichnen, da man aus dem Staunen kaum herauskommt. :) Natürlich ist dies aber ihr gutes Recht und es macht sie auch irgendwie sympathisch. Nicht, dass sie es nötig hätten, denn sie sind sehr zuvorkommend und äusserst nett, die Schotten, aber es lässt sie irgendwie unbeholfen erscheinen.


Das gute Wetter
Jetzt sind wir auf dem Weg in die Schweiz. In ein paar tausend Metern Höhe und wieder mit tollem Blick auf eine breite Wolkendecke. Und umso näher wir der Schweiz kommen, umso mehr und umso dunkler sind die Wolken. Unglaublich aber wahr; wir hatten 2 komplette Sonnentage und Temperaturen von beinahe 30 Grad! Die Schotten selbst waren ganz aus dem Häuschen. Für die Schotten ist das eine absolute Seltenheit. So begaben sich viele mit Bikini und kurzen Hosen (Männer vorwiegend oben ohne) in die Parks um ihre ansonsten so bleichen Körper zu verbrennen. Hersteller von Après-soleil- Cremes werden in den nächsten Tagen in Edinburgh Hochkonjunktur haben. Wir haben es genossen und Edinburgh zeigte sich von seiner besten Seite.


Die Stadt
Edinburgh mit dem Holyrood Hill, dem Castle, der 'Royal-Mile' und allen weiteren Attraktionen präsentierte sich uns, gepaart mit Sonne und einer überschaubaren Anzahl von anderen Touristen und vielen tollen und witzigen Strassenkünstlern von seiner beeindruckend einladenden Seite. Bezüglich Tourismus (immerhin gemeinsam mit Whisky und ÖL die Haupteinnahmequellen des Landes) könnte sich die Schweiz noch einiges Abschauen. So sind viele Tourguides oft nicht einfach nur freundlich, sondern auch Schauspieler und Unterhalter.

Fazit
Edinburgh hat sich in diesen Tagen in ein anderes Licht gerückt. Weg von der Düsternis, hin zu einer offenen, freundlichen und hellen Stadt. Die vielen Mythen und Legenden, die sich um diese Stadt ranken entwickeln für die farblosen und dunklen Gebäude, welche immer noch in gewissen Situationen eindrücklich erdrückend wirken, einen ganz speziellen „Groove“. Wir sind uns beide sicher- das war nicht unser letzter Aufenthalt in dieser tollen Stadt.


Montag, 7. Juli 2014

Auf dem Weg in die Düsternis

Teil 1

Dunkle Häuserwände, enge Gassen... eine düstere Stadt wartet auf uns... Es ist mein zweites und Tanja's erstes Mal in dieser unscheinbaren Stadt im Norden Britanniens.
Edinburgh bietet eine Kulisse, die zu jedem Krimi passen würde. So vielen Ecken dieser Stadt würden Mord und Totschlag gut stehen. So vielen Gassen würden Grausamkeiten zugetraut werden. Natürlich nur in Krimis, mit der passenden musikalischen Untermalung und den richtigen Bildschnitten. Doch die Stadt fügt das restliche dazu bei, dass die Szenerie passt. Es kommt nicht irgendwoher, dass diese Stadt viele Schriftsteller düsterer Kriminalromane zeugte. Der Schreiber von Sherlock Holmes, Sir Arthur Conan Doyle oder der sehr erfolgreiche Schriftsteller Ian Ranking sind nur zwei unter vielen. Die Hauptstadt Schottlands strahlt eine Melancholie aus, die als Inspiration seines Gleichen sucht. Eine Muse, die küssend durch die genannten, hart wirkenden Strassen wandelt und Depressivität in Kreativität verwandelt. Denn dieser Grad zwischen Depressiv und Kreativ ist schmal. Zumindest in Edinburgh. Im Sommer etwas weniger als im Winter. Im Sommer sind die Tage lang, im Winter kurz, düster und kalt... Genau wie die Stadt es auch zu sein scheint. Doch das Licht, die Kraft und die Wärme, welche die Stadt eben doch ausstrahlt, ist anderswo zu finden. In ihrer Kultur, in ihren Menschen, in ihrer Einzigartigkeit, in ihrem Charme. Edinburgh bietet eine Fülle von Dingen, welche ich bisher noch in keiner anderen Stadt fand.

Die Reise verlief bis anhin gut. Basel passierten wir gewollt relativ schnell. Wobei hier anzumerken ist, dass man Federer-Matches mit deutlich mehr Emotionen verfolgt, als wir dies aus Luzern gewohnt sind. So verfolgten wir den Rest des leider verlorenen Spiels in einem Bahnhof-nahen MC Donalds. Der schlechteste MC Donalds der Schweiz, im Übrigen, aber darum geht es ja nicht. Weitaus interessanter ist die Tatsache, dass bei verlorenen Punkten unseres Tennisspielers schon mal Hüte und Jacken durch die Gegend flogen, bei Gewonnenen lautstarke Testosteron-Schreie den Kehlen der anwesenden Männern entwichen.
Während der Fahrt nach Basel sammelte das wundervolle Wetter nochmals die letzten Kräfte und zeigte sich von seiner besten Seite. In Basel angekommen, verlor es allerdings langsam an Ausdauer. Dunkle, Weltuntergangs-Wolken verdrängten Sonne und Wohlgefühl. Kurze Zeit darauf, wir waren zum Glück bereits am Flughafen, öffnete der Himmel seine Schleusen, Blitze begannen zu zucken und Donner grollte. Und bemerkenswerterweise hat dieses Gewitter bis jetzt noch nicht aufgehört... und 'jetzt' ist immerhin schon eine Stunde später und wir warten weiterhin auf das Boarding, welches sich 'dank' des Gewitters verzögert.

Teil 2

Nun haben wir es doch noch geschafft, abzuheben. Respektive das Flugzeug... Mit leichter Verspätung startete unser EasyJet- Flug und wir befinden uns nun über den gewitterbringenden Wolken. Eine Szenerie eröffnet sich uns, welcher man nie überdrüssig wird. Eine weisse Decke aus Watte unter uns, weit in der Ferne kämpfen sich tapfere und rot leuchtenden Sonnenstrahlen des Sonnenuntergangs als letzte Farbtupfer an den Horizont und immer mehr Löcher in der Wolkendecke veranschaulichen die lebendigen Lichtermeere der Städte und Dörfer. Trotzdem bin ich froh, wenn ich diesen engen Sitzreihen der EasyJet Flugzeuge entfliehen kann. Tanja hingegen treibt ihren ersten Aufenthalt in einem Hostel, welchem sie mit Argwohn und Misstrauen, aber auch mit viel Neugier entgegenblickt, zu einer raschen Ankunft in Edinburgh.


Teil 3

Da sind wir also. Zurück im 16. Jahrhundert. Zurück in einer Stadt, die ihr Anblick nie geändert zu haben scheint.
Ihr hättet Tanjas Gesicht sehen sollen, als wir uns gestern die letzten Meter zu Fuss in unser Hostel wagten... Angsterfüllt und beeindruckt, misstrauisch und neugierig... Heute Montag werden wir diese Neugierde stillen :)

Mittwoch, 23. Januar 2013

Edinburgh -2-

Geht die Welt noch kleiner?




Wie klein die Welt doch ist. Da gibt es so viele Städte a) in Schottland, b) in Grossbritanien, c) in Europa und nicht zuletzt d) auf der Welt. Und ausgerechnet in Edinburgh, einer nicht unbedingt bedeutdenden Tourismus- Stadt, treffen sich zwei Luzerner, die sich zuvor in Luzern, einer Provinzszadt im Vergleich zur Hauptsadt Schottlands, noch nie (bewusst) über den Weg gelaufen sind. Kevin (aka: "ech ha ehre tüüf id Auge gluegt") besuchte also zur gleichen Zeit das gleiche Hostel (und davon hat es hier doch einige) und dazu noch das gleiche Zimmer wie ich. Natürlich mussten wir diesen Zufall gebührend feiern und haben uns ohne Umweg in die Edinburgh'er Nachtszene geworfen. Na ja, der Teil mit "ohne Umweg" stimmt so nicht ganz. Unser Ziel war wohl klar definiert, aber eine passende Bar zu finden, stellte sich als äusserst schwierig heraus. Wir liefen wohl mehrere gefühlte Stunden durch Edinburgh, bevor uns der Hunger ins Nuudel- Haus (Noodle House) verschlug. Dort halfen uns dann drei nette, junge Frauen, ein angenehmes Lokal mit anständiger Live- Musik zu finden. Den Rest des Abends, die Geschichten der angsteinflössenden Ramona aus Griechenland/Serbien/Russland/Iran/Irak/Ukraine/Weissrussland (running gag ;)) etc. lasse ich mal vorsichtshalber weg...

Den gestrigen Tag haben wir uns dann in die Anfänge der Highlands gewagt. Na ja, in die Anfänge der Anfänge der ... Unmittelbar vor der Stadt sind ein paar kleine Hügel, die allerdings bereits die unglaubliche Schönheit der "echten" Highlands erahnen lassen. So ähnlich wie die Schweizer Bergen und trotzdem so total anders. Dunkel, farblos und trotzdem weich und elegant. Ob ich mich noch weiter in das Hochland wagen werde, wird sich zeigen. Je nach Lust und Laune und nicht zuletzt nach Möglichkeit. Kevin ist heute dann weiter nach Oslo. Viel Spass, Junge!

Und heute dann tatsächlich, der Beweis: die Welt geht noch kleiner. Durch Edinburgh schlendernd werde ich plötzlich von hinten angestupst. Zuerst dachte ich, es sei einer dieser WWF- Typen, von denen hat es zu dieser Zeit gewimmelt. Als ich mich dann, nachdem ich mir eine "sorry, ich verstehe ihre Sprache nicht"- Taktik ausgedacht habe, umdrehte, blickte ich jedoch in ziemlich vertraute Gesichter. Zwei meiner Nachbarn standen vor mir. Aus Luzern. Zwei von den gut 75'000 Einwohnern stehen plötzlich einer Metropole, welche ohne Touristen schon knapp eine halbe Million Menschen beheimatet, am anderen Ende des Kontinents, vor mir. Zufälle gibts.



Da ich mich eigentlich vor den "must see- Attraktionen" hüte, war ich etwas skeptisch, als ich das Castle, das Wahrzeichen der Stadt, besuchte. Als Geschichts- Freak kam ich aber so oder so nicht darum herum und da mir Chrissie den Eintritt zum Geburtstag schenkte, blieb mir auch noch das lästige Anstehen erspart. Über das Schloss gibt es viele Meinungen. Meine Meinung ist allerdings stark beeindruckt. Da viele Teile des Schlosses seit Jahrhunderten bestehen, ist für mich das Gefühl, dass genau an jenem Platz, an dem ich jeweils stand, vor langer Zeit Geschichte passiert ist und geschrieben wurde tiefgehend und mitreissend. Natürlich sind überall Tafeln aufgehängt, Hinweisschilder montiert und Lautsprecher befestigt, teilweise zerstören sie mehr, als dass sie an Atmosphäre schaffen, aber im Grossen und Ganzen ist die moderne Einwirkung in die spannende Geschichte durchaus gelungen.



Geschichte ist meist romantisch. Sieger und Erfolge brachten ihren Helden hervor und dem Vaterland Ehre und Stolz. Romantik pur. Man darf aber nicht vergessen, dass Sieger auch immer Verlierer mit sich ziehen. Oft genug hat Geschichte mehr Tragik erlebt als heroische Siege feiern können. Die Schreie, das Leid und die Qual aus den Kerkern sind verschwunden. Geblieben sind faszinierende, leere Räume, in denen undenkbare Dunkelheit und Schmerz den Alltag bildete. Wir können die Kerker jederzeit wieder verlassen, zu viele konnten das nicht. Auf den Schlachtfeldern von Falkirk und Sterling (welche ich auch noch besuchen will) ist das Blut, welches den Boden tränkte, längst verschwunden, die Kampf- und Schmerzschreie verstummt, Heldensagen sind entstanden, denn Sieger hat es auf beiden Schauplätzen gegeben. Sieger hat es immer gegeben, denn ohne sie ensteht keine Geschichte. Zu wenige haben diese Schlachtfelder aber wieder lebend verlassen, zu viele haben alles -ihr Leben- verloren. Ich halte jeweils einen Moment inne, wenn ich solch geschichtsträchtige Orte besuche, denn sie zeigt nur allzu oft, wozu wir Menschen fähig sind. Im Guten wie im Schlechten...

P.S. Als Highlite des Tages (nebst der Erkenntniss, dass die Welt immer kleiner wird), kann ich getrost erzählen, dass ich es geschafft habe, mich in einem Bahnhof, welcher etwa einen fünftel so gross ist wie jener in Luzern, hoffnungslos zu verlaufen. :)


  

Sonntag, 20. Januar 2013

Edinburgh -1-

Erste Eindrücke

31. August
Ich bin unschlüssig, wie ich meinen ersten Blog aus Schottland beginnen soll. Ich variiere zwischen "Ich liebe Edinburgh" und "Edinburgh macht mich depressiv". Aber der Reihe nach:

Ohne Schlaf gings morgens um drei Richtung Basel. (Danke Adi und Tanja für's fahren/begleiten!). Müde kämpfte ich mich schliesslich durch die Sicherheitsschleussen am Flughafen und fand meinen Weg viel zu früh in die Boarding- Zone. Da EasyJet sehr viel für aufgegebenes Gepäck berechnet, habe ich mich entschlossen, ausschliesslich Handgepäck mitzunehmen. Mein kleiner (genau abgemessener) Koffer war denn auch sehr gut gefüllt. Normalerweise konnte ich immer zusätzlich zum Handgepäck meine (Handtaschen-grosse) Kameratasche mitnehmen. So wollte ich es auch dieses mal machen und war guter Dinge, so boarden zu können. Eine Mitarbeterin der Fluglinie rief dann aber, ca. 10min vor dem Boarding, aus, dass EasyJet da "riguros durchgreife" und keine zweite Tasche, egal ob Handtasche oder Laptoptasche oder was auch immer, erlaube. Ich hielt es für einen Standard- Spruch und dachte mir nichts weiter dabei. Als sie das Ganze aber zum fünften Mal wiederholte und unentwegt in meine Richtung starrte, wurde ich unsicher. Was sollte ich also tun? Meinen Koffer für 70 Franken aufgeben wollte ich auf keinen Fall. Somit blieb mir nur die Möglichkeit, die Kameratasche in meinen vollen Koffer zu quetschen. Ich begann also, eine Minute vor dem Boarding, meinen Koffer umzuräumen und versuchte die Tasche noch reinzuwürgen. Ich muss dabei entweder A) hilflos, B) unterhaltend oder C) total ungeschickt ausgesehen haben, denn einige der wartenden Passagiere schienen ab meinem Versuch amüsiert zu sein. Das Ergebnis meines Versuches war, dass ich meinen Koffer nicht mehr schliessen konnte und im unteren, rechten Eck meine Kamera aus dem Rucksack blinzelte und ich die Ziehhilfe des Koffers nicht mehr ausfahren konnte. Nun denn, ich hatte zuimindest nur noch ein Gepäckstück und es sollte immer noch den Richtlinien entsprechen. Ich überwand also das Boarding und trug meinen Koffer so zum Flugzeug und betete (...), dass mein Koffer das durchhielt und nicht reissen würde. Er riss nicht! :)


Der Flug verlief dann so ereignisslos, wie man sich das bei einem schlafenden Passagier nur vorstellen kann. Nach gut zwei Stunden kam ich dann in Edinburgh an.


Ohne einen Plan, wohin ich genau musste, setzte ich mich in den erstbesten Bus. Meine Intuition leitet mich meistens richtig. ;)


Meine ersten Eindrücke von Edinburgh waren denn auch so geteilt, wie es mein Einleitungssatz erahnen lässt. Die Stadt hat unglaublich faszinierende, alte Gebäude, die mit Bestimmtheit sehr viel zu erzählen haben. Sie sind sozusagen der Inbegriffe der Geschichte. Sie versetzen einem zurück ins Mittelalter. Ins dunkle Mittelalter. In eine düstere Zeit voller Trostlosigkeit und Überlebenskämpfe. Edinburgh als Trostlos zu beschreiben, wäre dann aber falsch. Aber es wirkt depressiv. Alles ist dunkel, ist farblos. Es ist, als ob man die Unterdrückung der Engländer nie wirklich überwunden hat und ein Trauma erschaffen wurde, das sich in einer selbstzerstörerischen Art und Weise in den Gebäuden dieser Stadt zeigt. Es ist, als würde William Wallace' Ruf nach Freiheit mit jedem Gebäude, mit einer störrischen Bitterkeit, eine neue Stimme verliehen werden. Und kommt dann mal ein knalliges oranges Haus dazwischen, ein lebändiges gelbes Gebäude, so wirken diese verloren und ausgeschlossen. Edinburgh scheint nicht gewillt, Lebensfreude auszustrahlen. Selbst die vielen vielen Parks mit ihren Bäumen und Wiesen sind in ein dunkles Grün gehüllt, welches perfekt zur ganzen Szenerie passt.




Doch da gibt es auch noch diese andere Seite von Edinburgh. Eine mystische. Eine zauberhafte. Wir leben in einer zu globalen Welt, um wahrhaftig an Märchen zu glauben, an Zauber, an Magie. Edinburgh verführt einem in eine illusorisch echte/echt illusorische Welt, in der alles möglich scheint. Man wähnt sich in eine Zeit versetzt, in der nicht die ganze Welt enteckt ist. In eine, in der hinter jedem Hügel ein neues Wunder warten kann. Wären da nicht diese abertausende von Menschen, welche mich immer wieder unsanft in die Realität holen würden, würde ich wohl zum Kettenpanzer, Schwert und Schild greifen und die Welt entdecken wollen.


Es ist ein schmaler Grat zwischen düsterer Bitterkeit und magischer Ungewissheit. Ich bin mir noch unschlüssig, in welche Richtung mich diese Stadt ziehen wird. Aber dazu bleibt ja noch eine Woche Zeit.


Der Bus war im Übrigen der Richtige. Er führte mich direkt ins Stadtzentrum von Edinburgh und in die Nähe meines Hostels. Mittlerweile sitze ich in diesem Hostel und warte darauf, dass ich einchecken kann. Morgen mehr!