Donnerstag, 15. Oktober 2015

Schottland- die Ankunft

Ich bin also in Schottland. Erneut in Schottland. Nach 2011 und 2014 flog ich heute Mittag zum dritten mal innert vier Jahren nach Edinburgh. Trotzdem wird dieses mal alles anders. Nachdem der Fokus der letzten beiden Besuche vor allem auf Edinburgh selbst lag, wird dieses mal mit einem gemieteten Auto das schottische Landleben erkundet- und dies hat es in sich. Knapp 70% der Bevölkerung lebt nämlich in den Städten Edinburgh und Glasgow. Da bleibt nicht mehr viel übrig für den Rest des Landes. Entsprechend wird diese Reise mit einem auch eine Art Flucht vor der Zivilisation. Nicht, weil wir dessen überdrüssig sind, sondern einzig und alleine aus Neugierde. Die wunderschönen schottischen Highlands mit den vielen Ruinen und den imposanten Burgen... 



Nach einem etwas mühsamen Boarding landeten wir schliesslich um ca. 15.00 Uhr in Edinburgh. Von diesem Zeitpunkt bis jetzt, 00.38uhr am zweiten Tag, passierte nicht viel spannendes. Wir starteten im Regen (Basel) und landeten in der Sonne (Edinburgh). Wir gewannen eine Stunde, welche wir auf dem Rückflug aber leider wieder verlieren werden. Wir stillten unseren Hunger mit einem köstlichen Burger und unseren Durst mit einigen, meist auch süffigen, Bier. Nun bin ich im Hostel und Simon streift noch irgendwo (ich hoffe nicht orientierungslos) durch das Edinburgh'er Nachtleben. Das Hostel (Castle Rock) ist wirklich klasse. Sehr gut gelegen (unmittelbar beim Edinburgh Castle), toll eingerichtet und bisher stets sauber. 



Schon bald verlassen wir die Stadt und nehmen uns des hiesigen Landlebens an. Wir freuen uns sehr auf diesen Kontrast.

Auf Bald


Update:
Es ist mittlerweile Morgens 7.24 Uhr. Unsere ZimmergenossInnen gehören nicht gerade zur Kategorie "geschickt" oder "äusserst Rücksichtsvoll", was aber nicht weiter tragisch ist, denn es 'erlaubt' mir, bereits jetzt im Aufenthaltsraum zu sitzen und zu warten, bis sich Simon (der den Weg ins Hostel doch noch gefunden hat, was aufgrund schwieriger Orientierung in dieser Stadt durchaus nicht selbstverständlich ist ;) ) aus dem Bett quält.

Danach geht's zu einer kleinen Klettertour in den Holyrood Park. Ihr hört bald mehr von uns!

Dienstag, 13. Oktober 2015

Konkrete Pläne: Marokko

Februar/März/April 2016  -- MAROKKO -- 8-12 Tage

Ich gebe zu; ich weiss sehr wenig über das Land im Nordwesten Afrikas. Marrakesch oder Casablanca sind zwar klingende Namen, welche mir durchaus etwas sagen, mit einer realen Visualisierung der Ortschaften oder der Kultur tue ich mich allerdings schwer.

Ich habe auf Google Maps nach dem Prinzip "Augen zu und Finger drauf" ein Urlaubsziel gesucht und Marokko gefunden. Nach kurzer Internet-Recherche war ich sofort begeistert von der orientalischen Ausstrahlung des Landes. Unmittelbar am Gibraltar liegend, mit Zugang zum Mittelmeer und zum Atlantik schafft es dieses grosse Land in mir eine unermessliche Fülle an Sehnsüchten zu wecken. Die orientalische Kultur, mit welcher ich bisher noch sehr wenig Erfahrungen machen durfte, strahlt auf mich eine unbeschreibliche Magie aus.

Nach aktuellem Stand werde ich (oder werden /wir, je nach Möglichkeit) von Tanger im Norden (am Gibraltar) südlich über Rabat und Casablanca nach Marrakesch reisen. Pro Stadt sind ca. 2-3 Tage
eingeplant.

Zurzeit ist dies nicht viel mehr als eine Idee. Allerdings eine Idee, die mir äusserst bewegungsfreudige Schmetterlinge im Bauch verursacht.

Doch zuerst geht es noch nach Schottland. Erneut nach Schottland. Nach 2011 und 2014 fliege ich am Donnerstag zum dritten mal innert vier Jahren nach Edinburgh. Trotzdem wird dieses mal alles anders. Nachdem der Fokus der letzten beiden Besuche vor allem auf Edinburgh lag, wird dieses mal  mit einem gemieteten Auto das schottische Landleben erkundet- und dies hat es in sich. Knapp 70% der Bevölkerung lebt nämlich in den Städten Edinburgh und Glasgow. Da bleibt nicht mehr viel übrig für den Rest des Landes. Entsprechend wird diese Reise mit einem auch eine Art Flucht vor der Zivilisation. Nicht, weil wir dessen überdrüssig sind, sondern einzig und alleine aus Neugierde. Die wunderschönen schottischen Highlands mit den vielen Ruinen und den imposanten Burgen... Bilder und Berichte folgen bald.

Mittwoch, 30. Juli 2014

Die andere Seite von Edinburgh

Underground-Tour
...das schwache Licht eines Handydisplays beleuchtet als einzige Lichtquelle den tief unter der Erde liegenden Raum. Die einzigen visuell wahrnehmbaren Punkte für die anwesenden Personen waren blutende Augen in einem leichenblassen Gesicht und die langen, dichten und ungepflegten blonden Haare der einzigen Person im Raum, die sprach. Sie sprach langsam und unaufgeregt, aber angsteinflössend und eindringlich.
Ihre Augen waren weit aufgesperrt, als sie die Geschichte eines kleinen Mädchens erzählte, welches diesen Raum durch einen grausamen Akt der Barbarei nicht überlebte. Noch heute spüren anwesende Personen eine kalte Hand auf ihrer Wange oder erkennen Schatten, die von keiner sichtbaren Person geworfen wurden. Die Augen der Zuhörer weiten sich, das Gesicht der Erzählerin zeigt ein diabolisches Lächeln... das Handydisplay geht aus. Absolute Dunkelheit. Ohrenbetäubende Stille. Die kleine Gruppe von Menschen, die sich im Untergrund von Edinburgh befand, klammerte sich aneinander. Tanja hielt mich fest. Alle wussten, das etwas passieren wird. Etwas erschreckendes. Doch nichts schreckliches geschah. Die Geschichte wurde weitererzählt. Jetzt noch theatralischer, jetzt noch gruseliger... Und auf einmal, nach Geschichten über Tote, Eingeweide, Geister und Flüche, wurde es totenstill in dieser absoluten Dunkelheit. Und plötzlich... PENG.

Mit diesem lauten Knall endete unsere Tour in den Unterstadt von Edinburgh. Eine gut einstündige Tour, welche uns gruselige Mythen und wahre Geschichten über die heute teilweise noch lebendige Geschichte versprach. Im Grossen und Ganzen war die Tour nichts besonderes. Sie führte über Friedhöfe und es wurde auf Gräbern getanzt. Schlussendlich landeten wir in zwei unter der Erde liegenden Räumen. Respektive in der Stadt unter der Stadt. Da Edinburgh, wie wir es heute kennen, auf der Stadt gebaut wurde, die es ursprünglich mal war, gibt es zig solcher unterirdischen Räume, Gänge und ganze Strassen einer vergessenen Metropole. Diese beiden Räume boten eine Menge Nervenkitzel und einige Schockmomente. Doch diese waren leider alles in allem etwas zu knapp bemessen.


Loch Ness und die Highlands
Einen Tag zuvor begaben wir uns auf eine zwölfstündige Highland- Tour mit dem Highlite 'Loch Ness'. Gleich mal vornweg: WIR HABEN ES GESEHEN... also Nessi. Nicht aus dem Wasser steigend und riesengross, zugegeben, aber ansonsten in allen Varianten aus Stoff, Plastik, Lehm, mit Höcker, ohne Höcker, mit Hut und Dudelsack etc. Vermarktung einer Illusion in beeindruckender Art und Weise. Loch (alt-schottisch für 'See') Ness ansonsten war eine grosse Enttäuschung. Es ist nur ein sehr grosser See mit einer durchschnittlichen Kulisse und eben halt diesem Mythos. Die einstündige Bootsfahrt auf diesem bekannten Gewässer und die dafür bezahlten 25 Pfund (ca. 38 CHF) hätten wir uns getrost sparen können.
Ansonsten war der Ausflug, wenn auch aufgrund der Dauer sehr anstrengend, sein Geld absolut wert. Wir konnten sehr viel Interessantes über Schottland erfahren und einen Eindruck über die Highlands sowie über die Lowlands (wozu auch Edinbrugh und Glasgow gehören) gewinnen. Was auch in Erinnerung bleibt, ist die Faulheit der Schotten, wenn es um Namensgebungen von Orten und Gebäuden geht. So bauten sie eine neue Brücke und nannten diese... „New Bridge“... oder sie entdeckten einen See und nannten diesen... „See“ ... also heisst der jetzt „Loch Lochi“ (der See 'See') ... oder sie entdeckten einen neuen Hügel und nannten diesen „New Hill“ ... ein Bein ausgerissen haben sie sich diesbezüglich also nicht ;).



Schottland und die Mode
Ein weiteres mal schockierend, und ich bin froh, dass Tanja diese Auffassung absolut teilt, war die Mode der Schotten. Wobei hier unglaublich viel Verständnis aufgebracht werden muss, wenn man von „Mode“ sprechen will. Tanja und ich waren uns einig, dass wohl ein Grossteil der Schotten einfach keinen Spiegel besitzt; anders können wir uns nicht erklären, wie sich so unglaublich viele Menschen so unglaublich unpassend auf die Strasse trauen. Man könnte diese geschmackliche Verfehlung beinahe als Touristenattraktion bezeichnen, da man aus dem Staunen kaum herauskommt. :) Natürlich ist dies aber ihr gutes Recht und es macht sie auch irgendwie sympathisch. Nicht, dass sie es nötig hätten, denn sie sind sehr zuvorkommend und äusserst nett, die Schotten, aber es lässt sie irgendwie unbeholfen erscheinen.


Das gute Wetter
Jetzt sind wir auf dem Weg in die Schweiz. In ein paar tausend Metern Höhe und wieder mit tollem Blick auf eine breite Wolkendecke. Und umso näher wir der Schweiz kommen, umso mehr und umso dunkler sind die Wolken. Unglaublich aber wahr; wir hatten 2 komplette Sonnentage und Temperaturen von beinahe 30 Grad! Die Schotten selbst waren ganz aus dem Häuschen. Für die Schotten ist das eine absolute Seltenheit. So begaben sich viele mit Bikini und kurzen Hosen (Männer vorwiegend oben ohne) in die Parks um ihre ansonsten so bleichen Körper zu verbrennen. Hersteller von Après-soleil- Cremes werden in den nächsten Tagen in Edinburgh Hochkonjunktur haben. Wir haben es genossen und Edinburgh zeigte sich von seiner besten Seite.


Die Stadt
Edinburgh mit dem Holyrood Hill, dem Castle, der 'Royal-Mile' und allen weiteren Attraktionen präsentierte sich uns, gepaart mit Sonne und einer überschaubaren Anzahl von anderen Touristen und vielen tollen und witzigen Strassenkünstlern von seiner beeindruckend einladenden Seite. Bezüglich Tourismus (immerhin gemeinsam mit Whisky und ÖL die Haupteinnahmequellen des Landes) könnte sich die Schweiz noch einiges Abschauen. So sind viele Tourguides oft nicht einfach nur freundlich, sondern auch Schauspieler und Unterhalter.

Fazit
Edinburgh hat sich in diesen Tagen in ein anderes Licht gerückt. Weg von der Düsternis, hin zu einer offenen, freundlichen und hellen Stadt. Die vielen Mythen und Legenden, die sich um diese Stadt ranken entwickeln für die farblosen und dunklen Gebäude, welche immer noch in gewissen Situationen eindrücklich erdrückend wirken, einen ganz speziellen „Groove“. Wir sind uns beide sicher- das war nicht unser letzter Aufenthalt in dieser tollen Stadt.


Montag, 7. Juli 2014

Auf dem Weg in die Düsternis

Teil 1

Dunkle Häuserwände, enge Gassen... eine düstere Stadt wartet auf uns... Es ist mein zweites und Tanja's erstes Mal in dieser unscheinbaren Stadt im Norden Britanniens.
Edinburgh bietet eine Kulisse, die zu jedem Krimi passen würde. So vielen Ecken dieser Stadt würden Mord und Totschlag gut stehen. So vielen Gassen würden Grausamkeiten zugetraut werden. Natürlich nur in Krimis, mit der passenden musikalischen Untermalung und den richtigen Bildschnitten. Doch die Stadt fügt das restliche dazu bei, dass die Szenerie passt. Es kommt nicht irgendwoher, dass diese Stadt viele Schriftsteller düsterer Kriminalromane zeugte. Der Schreiber von Sherlock Holmes, Sir Arthur Conan Doyle oder der sehr erfolgreiche Schriftsteller Ian Ranking sind nur zwei unter vielen. Die Hauptstadt Schottlands strahlt eine Melancholie aus, die als Inspiration seines Gleichen sucht. Eine Muse, die küssend durch die genannten, hart wirkenden Strassen wandelt und Depressivität in Kreativität verwandelt. Denn dieser Grad zwischen Depressiv und Kreativ ist schmal. Zumindest in Edinburgh. Im Sommer etwas weniger als im Winter. Im Sommer sind die Tage lang, im Winter kurz, düster und kalt... Genau wie die Stadt es auch zu sein scheint. Doch das Licht, die Kraft und die Wärme, welche die Stadt eben doch ausstrahlt, ist anderswo zu finden. In ihrer Kultur, in ihren Menschen, in ihrer Einzigartigkeit, in ihrem Charme. Edinburgh bietet eine Fülle von Dingen, welche ich bisher noch in keiner anderen Stadt fand.

Die Reise verlief bis anhin gut. Basel passierten wir gewollt relativ schnell. Wobei hier anzumerken ist, dass man Federer-Matches mit deutlich mehr Emotionen verfolgt, als wir dies aus Luzern gewohnt sind. So verfolgten wir den Rest des leider verlorenen Spiels in einem Bahnhof-nahen MC Donalds. Der schlechteste MC Donalds der Schweiz, im Übrigen, aber darum geht es ja nicht. Weitaus interessanter ist die Tatsache, dass bei verlorenen Punkten unseres Tennisspielers schon mal Hüte und Jacken durch die Gegend flogen, bei Gewonnenen lautstarke Testosteron-Schreie den Kehlen der anwesenden Männern entwichen.
Während der Fahrt nach Basel sammelte das wundervolle Wetter nochmals die letzten Kräfte und zeigte sich von seiner besten Seite. In Basel angekommen, verlor es allerdings langsam an Ausdauer. Dunkle, Weltuntergangs-Wolken verdrängten Sonne und Wohlgefühl. Kurze Zeit darauf, wir waren zum Glück bereits am Flughafen, öffnete der Himmel seine Schleusen, Blitze begannen zu zucken und Donner grollte. Und bemerkenswerterweise hat dieses Gewitter bis jetzt noch nicht aufgehört... und 'jetzt' ist immerhin schon eine Stunde später und wir warten weiterhin auf das Boarding, welches sich 'dank' des Gewitters verzögert.

Teil 2

Nun haben wir es doch noch geschafft, abzuheben. Respektive das Flugzeug... Mit leichter Verspätung startete unser EasyJet- Flug und wir befinden uns nun über den gewitterbringenden Wolken. Eine Szenerie eröffnet sich uns, welcher man nie überdrüssig wird. Eine weisse Decke aus Watte unter uns, weit in der Ferne kämpfen sich tapfere und rot leuchtenden Sonnenstrahlen des Sonnenuntergangs als letzte Farbtupfer an den Horizont und immer mehr Löcher in der Wolkendecke veranschaulichen die lebendigen Lichtermeere der Städte und Dörfer. Trotzdem bin ich froh, wenn ich diesen engen Sitzreihen der EasyJet Flugzeuge entfliehen kann. Tanja hingegen treibt ihren ersten Aufenthalt in einem Hostel, welchem sie mit Argwohn und Misstrauen, aber auch mit viel Neugier entgegenblickt, zu einer raschen Ankunft in Edinburgh.


Teil 3

Da sind wir also. Zurück im 16. Jahrhundert. Zurück in einer Stadt, die ihr Anblick nie geändert zu haben scheint.
Ihr hättet Tanjas Gesicht sehen sollen, als wir uns gestern die letzten Meter zu Fuss in unser Hostel wagten... Angsterfüllt und beeindruckt, misstrauisch und neugierig... Heute Montag werden wir diese Neugierde stillen :)

Samstag, 17. August 2013

Paris- Frankreich

Ich war schon etliche Male in Paris. Zu jeder Jahreszeit mindestens einmal. Ich habe alles mehrfach gesehen, was man als Tourist gesehen haben muss und ich habe mich mit Einheimischen unter die Pariser Bevölkerung gemischt. Trotz allem habe ich es bis dato nicht geschafft, einen Blog über Paris zu schreiben. Warum? Ich weiss es nicht genau. Vielleicht, weil mir Paris so viel gestohlen hat… darunter auch immer wieder aufs Neue die Zeit… Vielleicht aber auch, weil mir Paris so viel gegeben hat, und ich dies zuerst verarbeiten musste...
Das soll sich aber nun ändern:

Was mir Paris gestohlen hat? Meine Liebe, meinen Atem und wie erwähnt, immer wieder viel Zeit.

Meine Liebe zu meiner Heimatstadt brachte sie nicht ins Wanken, aber Liebe ist zum Glück kein sich ausschöpfender Vorrat. Liebe kann man in die Unendlichkeit und zurück verschenken. Warum gestohlen? Weil ich es zuerst gar nicht wollte. Ich mochte Paris die ersten Stunden meines ersten bewussten Besuches nicht. Die Stadt, die Menschen, das Chaos… es passte nicht zu mir. Doch dann riss es sich diese Liebe in einer hinterhältigen Aktion ohne Vorwarnung an sich und liess sie nicht mehr los. Ich wusste nicht, wie mir geschah. Ich war nicht in der Lage, mich zu wehren. Ich wusste nur, dass das mit Paris und mir etwas Festes wird.

Die imposanten Bauwerke, die beeindruckenden Parkanlagen und der atemberaubende Grössenwahn der Franzosen- all dies lässt einen immer wieder in Ehrfurcht erstarren.  Besucht man zum Beispiel Versailles, kann man sich getrost darauf einstellen, dass am Abend der Kiefer schmerzt, denn öffnet man erstaunt den Mund zum ersten Mal, bleibt er offen bis zum Schluss. Schlag auf Schlag folgen glorreiche Zeitzeugen eines prunkvollen und so realitätsfremden Mittelalters. Das gigantische Gebäude, die goldverzierten Tore oder der monströse Garten- es war ein Paradies in einer sonst höllenähnlichen Welt. Stünde die Welt vor einem Armageddon, so würde ich mich in Versailles trotz allem sicher fühlen.



Ich frage mich, wie die Pariser Bevölkerung mit der Tatsache klar kommt, dass man in dieser Stadt nie Zeit hat. Als Tourist fühle ich mich verloren. Verloren in einem Sog zeitfressender Strudel. Ich fühle mich in Paris so schnell wieder zuhause, dass mir das Bewusstsein, bald wieder nach Hause zu müssen, irgendwie abhanden kommt. Ich bin nicht in Paris, um wieder zu gehen, ich bin in Paris, um zu sein… und um zu bleiben. Nicht für immer, nur für länger… ein bisschen… und immer noch ein bisschen.

Was mir Paris gegeben hat? Selbstvertrauen, Verständnis, Coolness.

In dieser Stadt leben die Menschen nicht nach einem Gesellschaftsideal, sie leben für sich selbst. Jeder Mensch ist ein Individuum und ihr Leben das Produkt ihrer kreativen Art und Weise damit umzugehen. Deswegen wirken die Pariser oft so arrogant. Es ist ihnen im Grunde einfach egal, wenn du mit ihnen nicht klar kommst. Wer z.B. schon mal in New York war, kennt das Gegenteil. Diese vor Energie strotzenden Leute steuern ihren Lebenssinn auf ein kollektiv- gesellschaftliches Ziel hin. In ihrem Sinn, den persönlichen Zielen nachstrebend, verfallen die Pariser hingegen häufig ins exzentrische. Sie kleiden sich getreu ihren Vorstellungen und frei von Gesellschaftsansprüchen und reissen sich (viel mehr als in den USA) von Gesellschaftsidealen los. Man würde sie in den meisten anderen Städten als komisch bezeichnen, in Paris haben sie hingegen Stil, denn sie getrauen sich etwas. Diese Art der Selbstinszenierung sollte nicht unterschätzt werden. Sich so in Szene zu setzen, wie man das möchte, ohne über Meinungen anderer nachzudenken, ist ein grosser Teil einer gesunden Psychohygiene und zeugt von einem gesunden Selbstvertrauen.



Paris, die Stadt der Liebe? Vielleicht. Wahrscheinlich. Paris ist aber vor allem auch die Stadt der vielen Menschen. In Paris findet man nicht nur einfach Menschenmassen. In Paris scheinen sich die Völker aller Länder gleichzeitig zu vereinen. So zumindest im Sommer, wenn die ganze Welt und zu allem Übel auch noch die Franzosen Schulferien haben. Ohne Geduld und Verständnis prophezeit man sich alsbald selber in eine undankbare, ungemütliche Umgebung. Mit der richtigen Einstellung und einem gesunden Sinn für Humor lernt man hier aber selbst in den ungemütlichsten und längsten Schlangen interessante Menschen kennen und kann eine wahre Goldgrube der verschiedensten Kulturen beobachten.
…und schlussendlich sind sich wohl alle einig: in Paris steht man für praktisch nichts vergebens an….


Pariser, dies als letzte Erkenntnis, sind Überlebenskünstler. Allesamt. In einer Stadt, in welcher im Strassenverkehr immer jener Vortritt hat, der entweder schneller, stärker oder wendiger ist, mit einem Stadtzentrum, in welchem sich die durchschnittliche Bevölkerung weder eine Wohnung noch ein Essen im Restaurant leisten kann, balancieren sich die Einheimischen von Tag zu Tag durchs Leben. Getrieben werden die Meisten von der Liebe zu ihrer Stadt. Welche sie im Endeffekt auch noch mit Millionen von nervigen Touristen teilen müssen. Neben allen Widrigkeiten, die viele von ihnen jeden Tag bekämpfen, haben sie den Sinn für das Schöne, für die Kunst und für den Genuss nicht verloren. Im Gegenteil, sie zelebrieren ihre kulturellen Schätze bewusst und inszenieren sie überschwänglich. Sie sind ein stolzes Volk, ein cooles Volk.


Paris wird dich kaum in den ersten Stunden begeistern. Paris wird dich nicht in erster Linie durch seine Schönheit fesseln. Paris hat eine blosse oberflächliche Betrachtung auch einfach nicht verdient. Paris hat Ästhetik, die Einheimischen haben Grazie. Melancholie und Tiefsinn überfallen einem nie nach einem Tag. Das braucht Zeit- und Paris bietet beides konkurrenzlos. Diese Stadt zu mögen ist nicht schwer, sie zu Lieben ist hingegen eine Fähigkeit, eine, die dein Leben entscheidend beeinflussen wird.

Paris hat sich in meinem Herzen eingebrannt. Über die Jahre wurde ich gebrandmarkt…


Paris je t’aime! 

Dienstag, 16. April 2013

Into the wild 10; Alaska

Alaska’s Natur, Teil 1: Die Natur entscheidet…

Wir sind nun seit einigen Tagen in Alaska. Nach dem Beginn in Anchorage hat es uns nun in die Natur gezogen. 
Die Natur hier ist anders, sie ist nicht freundlich, sie heisst einem nicht willkommen, sie ist rau. Genauso wie uns der Jasper Nationalpark freundlich in seine atemberaubende Natur eingeladen hat, spüren wir den misstrauischen Blick Alaskas dauernd in unserem Rücken. Die kantigen Berge, die drahtigen, dürren Wälder und die scharfen Felsen, alles zeigt uns, dass wir vorsichtig sein sollen. Sie verscheucht uns keineswegs, die Natur, aber sie warnt uns. Sie wartet ab, sie beobachtet uns und sie entscheidet dann…

Alaska hat so viel zu bieten- es ist verständlich, dass sie ihre Schätze hüten will. Wir haben nur einen Bruchteil dessen gesehen, was dieser unglaubliche Bundesstaat zu bieten hat, aber bereits jetzt sind wir ob der unglaublichen Vielfalt begeistert.
Sie fletscht die Zähne- es gehört nicht uns, wir akzeptieren das. Wir sind nur Gast, wir nehmen alles in uns auf und hoffen, dass die Eindrücke noch langen halten werden. Besitzen können wir es nicht, mitnehmen auch nicht, es wäre Diebstahl… es wäre aber typisch Mensch. Sie weiss das…
Der Mensch hat auch hier viel zu oft seine Finger im Spiel. Viel zu viele hässliche Bauten stören die raue Natur. Auch die Natur ist oft nicht schön. Die Bäume sind teilweise kahl und leer, die Sümpfe grau und farblos. Aber sie muss niemandem gefallen, es ist ihr Zuhause, wir sind nur Gast. Wir sollten uns Mühe geben… Die Natur schlägt hier oft brutal und rücksichtslos zurück. Die unglaubliche Kälte, gefährliche Vulkanausbrüche und gewaltige Erdbeben. Sie entscheidet, wer willkommen ist…
Alaska zu beschreiben ist schwierig, wenn man selbst nicht genau einordnen kann, was man gesehen hat…
Alaska’s Natur, Teil 2: mit der Natur

Alaska ändert sein Gesicht von Sekunde zu Sekunde, von Meter zu Meter. Hier ist die Natur, wie fast überall auf dieser Welt, dort am höchsten einzuschätzen, wo die Menschen ihre Finger nicht im Spiel haben. Alaska ist einfach eine der einzigen Regionen, die selber dafür zu sorgen scheint, dass dies nicht überall geschieht. Sie ist trotzig, sie ist kampfbereit, sie ist selbstbewusst.

Die oft fehlenden Internet- und Handyverbindungen, dass teilweise das warme Wasser fehlt, dass Strom ab und zu ein kostbares Gut ist, dass es Orte gibt, in denen die Welt ausserhalb der Ortsgrenze kaum wahrgenommen wird… Es lässt die Menschen zu einem Teil der Natur werden, anders als anderswo, bewusster als fast überall auf der Welt.

Alaska lässt sich immer noch nicht besser beschreiben und wir werden es auch nach diesen 1,5 Wochen nicht können, aber wir erleben Alaska... aber wir lieben Alaska!
Auf bald!

Sonntag, 10. März 2013

Into the wild 9; Vancouver Island

Wie kann man nur?

Vancouver Island liegt hinter uns. Nanaimo, Tofino, Victoria. Nanaimo als Harbor- City, Tofino als Surfers- Paradiese und Victoria so richtig britisch. Alle drei Städte haben einen beachtlichen Vorteil, die Natur. Das einzige, was also noch getan werden muss, um ein Paradies zu erschaffen, ist mit Bedacht zu bauen. Ausser Victoria ist dies absolut misslungen…
Nanaimo hat ungefähr so viele Einwohner wie Luzern (60'000 - also vor der Fusion), liegt wunderschön in einer Passage auf Vancouver Island und wird durch wunderschöne Inseln geschmückt. Perfekte Bedingungen für eine tolle Hafen- Stadt. Was ist also unmittelbar am Hafen ein absolutes Tabu? Hochhäuser, die sogar noch unsere neuen Türme auf der Allmend weit in den Schatten stellen! Einkaufszentren, die beinahe auseinander fallen und vor allem Pennern ein Zuhause bietet!  Fast- Food Ketten en masse! Quadratkilometerweise Industrie! Hätte man das den Bauherren aus Nanaimo doch vorher gesagt… Es hätte so wunderschön werden können…
Tofino hat nur etwas mehr als 1000 Einwohner und kann definitiv die schönste Natur aufweisen. Im Sommer tummeln sich Millionen von Touristen durch den kleinen Ort. Wenn man sich so kleine Städte an der Adria vorstellt, kann man die romantische Atmosphäre beinahe spüren. Schon alleine die vielen Touristen würde diese wohl zerstören, aber die absolut fehlende Ästhetik bei der Stadtplanung ist trotzdem schwer zu verzeihen. Jeder baut, wie er will. Da mal ein grüner Block aus Metall, daneben ein Oranger aus Holz und dazwischen eine beinahe in sich zusammenfallende Blechhütte, welche man farblich kaum definieren kann, da sie so verrostet ist. Kein Gebäude ist wirklich schön, aber in dieser Kombination sieht es oft grauenhaft aus. Zudem ist es so unglaublich lang gezogen, dass man teilweise zwischen den einzelnen Häusern hoffen muss, dass man sich nicht verirrt. Aber Tofino hat, und das muss definitiv gesagt sein, eine atemberaubende Landschaft.

Victoria hat ungefähr gleich viele Einwohner wie Nanaimo, ist die Hauptstadt des Staates British Columbia und macht vieles so unglaublich viel besser! Den britischen Charme merkt man sofort. Very british ist der Name, sind die Doppeldeckerbusse und ist auch die Architektur. Mit viel Liebe wurde die Innenstadt und die Strandpromenade aufeinander abgestimmt. Mit dem Miniaturmuseum, dem Undersea Garden und dem Wachsmuseum gibt es zudem noch „niedliche“ Ausflugsziele für den Kurzaufenthalt. Der einzige Ort, welcher ich der Stadt wegen wieder besuchen will!
Auf Bald!