Ich bin also in Schottland. Erneut in Schottland. Nach 2011 und 2014 flog ich heute Mittag zum dritten mal innert vier Jahren nach Edinburgh. Trotzdem wird dieses mal alles anders. Nachdem der Fokus der letzten beiden Besuche vor allem auf Edinburgh selbst lag, wird dieses mal mit einem gemieteten Auto das schottische Landleben erkundet- und dies hat es in sich. Knapp 70% der Bevölkerung lebt nämlich in den Städten Edinburgh und Glasgow. Da bleibt nicht mehr viel übrig für den Rest des Landes. Entsprechend wird diese Reise mit einem auch eine Art Flucht vor der Zivilisation. Nicht, weil wir dessen überdrüssig sind, sondern einzig und alleine aus Neugierde. Die wunderschönen schottischen Highlands mit den vielen Ruinen und den imposanten Burgen...
Nach einem etwas mühsamen Boarding landeten wir schliesslich um ca. 15.00 Uhr in Edinburgh. Von diesem Zeitpunkt bis jetzt, 00.38uhr am zweiten Tag, passierte nicht viel spannendes. Wir starteten im Regen (Basel) und landeten in der Sonne (Edinburgh). Wir gewannen eine Stunde, welche wir auf dem Rückflug aber leider wieder verlieren werden. Wir stillten unseren Hunger mit einem köstlichen Burger und unseren Durst mit einigen, meist auch süffigen, Bier. Nun bin ich im Hostel und Simon streift noch irgendwo (ich hoffe nicht orientierungslos) durch das Edinburgh'er Nachtleben. Das Hostel (Castle Rock) ist wirklich klasse. Sehr gut gelegen (unmittelbar beim Edinburgh Castle), toll eingerichtet und bisher stets sauber.
Schon bald verlassen wir die Stadt und nehmen uns des hiesigen Landlebens an. Wir freuen uns sehr auf diesen Kontrast.
Auf Bald
Update:
Es ist mittlerweile Morgens 7.24 Uhr. Unsere ZimmergenossInnen gehören nicht gerade zur Kategorie "geschickt" oder "äusserst Rücksichtsvoll", was aber nicht weiter tragisch ist, denn es 'erlaubt' mir, bereits jetzt im Aufenthaltsraum zu sitzen und zu warten, bis sich Simon (der den Weg ins Hostel doch noch gefunden hat, was aufgrund schwieriger Orientierung in dieser Stadt durchaus nicht selbstverständlich ist ;) ) aus dem Bett quält.
Danach geht's zu einer kleinen Klettertour in den Holyrood Park. Ihr hört bald mehr von uns!
Donnerstag, 15. Oktober 2015
Dienstag, 13. Oktober 2015
Konkrete Pläne: Marokko
Februar/März/April 2016 -- MAROKKO -- 8-12 Tage
Ich gebe zu; ich weiss sehr wenig über das Land im Nordwesten Afrikas. Marrakesch oder Casablanca sind zwar klingende Namen, welche mir durchaus etwas sagen, mit einer realen Visualisierung der Ortschaften oder der Kultur tue ich mich allerdings schwer.
Ich habe auf Google Maps nach dem Prinzip "Augen zu und Finger drauf" ein Urlaubsziel gesucht und Marokko gefunden. Nach kurzer Internet-Recherche war ich sofort begeistert von der orientalischen Ausstrahlung des Landes. Unmittelbar am Gibraltar liegend, mit Zugang zum Mittelmeer und zum Atlantik schafft es dieses grosse Land in mir eine unermessliche Fülle an Sehnsüchten zu wecken. Die orientalische Kultur, mit welcher ich bisher noch sehr wenig Erfahrungen machen durfte, strahlt auf mich eine unbeschreibliche Magie aus. Nach aktuellem Stand werde ich (oder werden /wir, je nach Möglichkeit) von Tanger im Norden (am Gibraltar) südlich über Rabat und Casablanca nach Marrakesch reisen. Pro Stadt sind ca. 2-3 Tage
eingeplant.
Zurzeit ist dies nicht viel mehr als eine Idee. Allerdings eine Idee, die mir äusserst bewegungsfreudige Schmetterlinge im Bauch verursacht.
Doch zuerst geht es noch nach Schottland. Erneut nach Schottland. Nach 2011 und 2014 fliege ich am Donnerstag zum dritten mal innert vier Jahren nach Edinburgh. Trotzdem wird dieses mal alles anders. Nachdem der Fokus der letzten beiden Besuche vor allem auf Edinburgh lag, wird dieses mal mit einem gemieteten Auto das schottische Landleben erkundet- und dies hat es in sich. Knapp 70% der Bevölkerung lebt nämlich in den Städten Edinburgh und Glasgow. Da bleibt nicht mehr viel übrig für den Rest des Landes. Entsprechend wird diese Reise mit einem auch eine Art Flucht vor der Zivilisation. Nicht, weil wir dessen überdrüssig sind, sondern einzig und alleine aus Neugierde. Die wunderschönen schottischen Highlands mit den vielen Ruinen und den imposanten Burgen... Bilder und Berichte folgen bald.
Mittwoch, 30. Juli 2014
Die andere Seite von Edinburgh
Underground-Tour
...das schwache Licht eines
Handydisplays beleuchtet als einzige Lichtquelle den tief unter der
Erde liegenden Raum. Die einzigen visuell wahrnehmbaren Punkte für
die anwesenden Personen waren blutende Augen in einem leichenblassen
Gesicht und die langen, dichten und ungepflegten blonden Haare der
einzigen Person im Raum, die sprach. Sie sprach langsam und
unaufgeregt, aber angsteinflössend und eindringlich.
Ihre Augen waren weit aufgesperrt, als sie die Geschichte eines kleinen Mädchens erzählte, welches diesen Raum durch einen grausamen Akt der Barbarei nicht überlebte. Noch heute spüren anwesende Personen eine kalte Hand auf ihrer Wange oder erkennen Schatten, die von keiner sichtbaren Person geworfen wurden. Die Augen der Zuhörer weiten sich, das Gesicht der Erzählerin zeigt ein diabolisches Lächeln... das Handydisplay geht aus. Absolute Dunkelheit. Ohrenbetäubende Stille. Die kleine Gruppe von Menschen, die sich im Untergrund von Edinburgh befand, klammerte sich aneinander. Tanja hielt mich fest. Alle wussten, das etwas passieren wird. Etwas erschreckendes. Doch nichts schreckliches geschah. Die Geschichte wurde weitererzählt. Jetzt noch theatralischer, jetzt noch gruseliger... Und auf einmal, nach Geschichten über Tote, Eingeweide, Geister und Flüche, wurde es totenstill in dieser absoluten Dunkelheit. Und plötzlich... PENG.
Ihre Augen waren weit aufgesperrt, als sie die Geschichte eines kleinen Mädchens erzählte, welches diesen Raum durch einen grausamen Akt der Barbarei nicht überlebte. Noch heute spüren anwesende Personen eine kalte Hand auf ihrer Wange oder erkennen Schatten, die von keiner sichtbaren Person geworfen wurden. Die Augen der Zuhörer weiten sich, das Gesicht der Erzählerin zeigt ein diabolisches Lächeln... das Handydisplay geht aus. Absolute Dunkelheit. Ohrenbetäubende Stille. Die kleine Gruppe von Menschen, die sich im Untergrund von Edinburgh befand, klammerte sich aneinander. Tanja hielt mich fest. Alle wussten, das etwas passieren wird. Etwas erschreckendes. Doch nichts schreckliches geschah. Die Geschichte wurde weitererzählt. Jetzt noch theatralischer, jetzt noch gruseliger... Und auf einmal, nach Geschichten über Tote, Eingeweide, Geister und Flüche, wurde es totenstill in dieser absoluten Dunkelheit. Und plötzlich... PENG.
Mit diesem lauten Knall endete unsere
Tour in den Unterstadt von Edinburgh. Eine gut einstündige Tour,
welche uns gruselige Mythen und wahre Geschichten über die heute
teilweise noch lebendige Geschichte versprach. Im Grossen und Ganzen
war die Tour nichts besonderes. Sie führte über Friedhöfe und es
wurde auf Gräbern getanzt. Schlussendlich landeten wir in zwei unter
der Erde liegenden Räumen. Respektive in der Stadt unter der Stadt.
Da Edinburgh, wie wir es heute kennen, auf der Stadt gebaut wurde,
die es ursprünglich mal war, gibt es zig solcher unterirdischen
Räume, Gänge und ganze Strassen einer vergessenen Metropole. Diese
beiden Räume boten eine Menge Nervenkitzel und einige Schockmomente.
Doch diese waren leider alles in allem etwas zu knapp bemessen.
Loch Ness und die Highlands
Einen Tag zuvor begaben wir uns auf
eine zwölfstündige Highland- Tour mit dem Highlite 'Loch Ness'.
Gleich mal vornweg: WIR HABEN ES GESEHEN... also Nessi. Nicht aus dem
Wasser steigend und riesengross, zugegeben, aber ansonsten in allen
Varianten aus Stoff, Plastik, Lehm, mit Höcker, ohne Höcker, mit
Hut und Dudelsack etc. Vermarktung einer Illusion in beeindruckender
Art und Weise. Loch (alt-schottisch für 'See') Ness ansonsten war
eine grosse Enttäuschung. Es ist nur ein sehr grosser See mit einer
durchschnittlichen Kulisse und eben halt diesem Mythos. Die
einstündige Bootsfahrt auf diesem bekannten Gewässer und die dafür
bezahlten 25 Pfund (ca. 38 CHF) hätten wir uns getrost sparen
können.
Ansonsten war der Ausflug, wenn auch
aufgrund der Dauer sehr anstrengend, sein Geld absolut wert. Wir
konnten sehr viel Interessantes über Schottland erfahren und einen
Eindruck über die Highlands sowie über die Lowlands (wozu auch
Edinbrugh und Glasgow gehören) gewinnen. Was auch in Erinnerung
bleibt, ist die Faulheit der Schotten, wenn es um Namensgebungen von
Orten und Gebäuden geht. So bauten sie eine neue Brücke und nannten
diese... „New Bridge“... oder sie entdeckten einen See und
nannten diesen... „See“ ... also heisst der jetzt „Loch Lochi“
(der See 'See') ... oder sie entdeckten einen neuen Hügel und
nannten diesen „New Hill“ ... ein Bein ausgerissen haben sie sich
diesbezüglich also nicht ;).
Ein weiteres mal schockierend, und ich
bin froh, dass Tanja diese Auffassung absolut teilt, war die Mode der
Schotten. Wobei hier unglaublich viel Verständnis aufgebracht werden
muss, wenn man von „Mode“ sprechen will. Tanja und ich waren uns
einig, dass wohl ein Grossteil der Schotten einfach keinen Spiegel
besitzt; anders können wir uns nicht erklären, wie sich so
unglaublich viele Menschen so unglaublich unpassend auf die Strasse
trauen. Man könnte diese geschmackliche Verfehlung beinahe als
Touristenattraktion bezeichnen, da man aus dem Staunen kaum
herauskommt. :) Natürlich ist dies aber ihr gutes Recht und es macht
sie auch irgendwie sympathisch. Nicht, dass sie es nötig hätten,
denn sie sind sehr zuvorkommend und äusserst nett, die Schotten,
aber es lässt sie irgendwie unbeholfen erscheinen.
Das gute Wetter
Jetzt sind wir auf dem Weg in die
Schweiz. In ein paar tausend Metern Höhe und wieder mit tollem Blick auf
eine breite Wolkendecke. Und umso näher wir der Schweiz kommen, umso
mehr und umso dunkler sind die Wolken. Unglaublich aber wahr; wir
hatten 2 komplette Sonnentage und Temperaturen von beinahe 30 Grad!
Die Schotten selbst waren ganz aus dem Häuschen. Für die Schotten
ist das eine absolute Seltenheit. So begaben sich viele mit Bikini
und kurzen Hosen (Männer vorwiegend oben ohne) in die Parks um ihre
ansonsten so bleichen Körper zu verbrennen. Hersteller von
Après-soleil- Cremes werden in den nächsten Tagen in Edinburgh
Hochkonjunktur haben. Wir haben es genossen und Edinburgh zeigte sich
von seiner besten Seite.
Die Stadt
Edinburgh mit dem Holyrood Hill, dem
Castle, der 'Royal-Mile' und allen weiteren Attraktionen präsentierte
sich uns, gepaart mit Sonne und einer überschaubaren Anzahl von
anderen Touristen und vielen tollen und witzigen Strassenkünstlern
von seiner beeindruckend einladenden Seite. Bezüglich Tourismus
(immerhin gemeinsam mit Whisky und ÖL die Haupteinnahmequellen des
Landes) könnte sich die Schweiz noch einiges Abschauen. So sind
viele Tourguides oft nicht einfach nur freundlich, sondern auch
Schauspieler und Unterhalter.
Fazit
Edinburgh hat sich in diesen Tagen in
ein anderes Licht gerückt. Weg von der Düsternis, hin zu einer
offenen, freundlichen und hellen Stadt. Die vielen Mythen und Legenden, die sich um diese Stadt ranken entwickeln für die farblosen und dunklen Gebäude, welche immer
noch in gewissen Situationen eindrücklich erdrückend wirken, einen ganz speziellen „Groove“. Wir
sind uns beide sicher- das war nicht unser letzter Aufenthalt in
dieser tollen Stadt.
Montag, 7. Juli 2014
Auf dem Weg in die Düsternis
Teil 1
Dunkle Häuserwände, enge Gassen...
eine düstere Stadt wartet auf uns... Es ist mein zweites und Tanja's
erstes Mal in dieser unscheinbaren Stadt im Norden Britanniens.
Edinburgh bietet eine Kulisse, die zu jedem Krimi passen würde. So vielen Ecken dieser Stadt würden
Mord und Totschlag gut stehen. So vielen Gassen würden Grausamkeiten
zugetraut werden. Natürlich nur in Krimis, mit der passenden
musikalischen Untermalung und den richtigen Bildschnitten. Doch die
Stadt fügt das restliche dazu bei, dass die Szenerie passt. Es kommt
nicht irgendwoher, dass diese Stadt viele Schriftsteller düsterer
Kriminalromane zeugte. Der Schreiber von Sherlock Holmes, Sir Arthur
Conan Doyle oder der sehr erfolgreiche Schriftsteller Ian Ranking
sind nur zwei unter vielen. Die Hauptstadt Schottlands strahlt eine
Melancholie aus, die als Inspiration seines Gleichen sucht. Eine
Muse, die küssend durch die genannten, hart wirkenden Strassen
wandelt und Depressivität in Kreativität verwandelt. Denn dieser
Grad zwischen Depressiv und Kreativ ist schmal. Zumindest in
Edinburgh. Im Sommer etwas weniger als im Winter. Im Sommer sind die
Tage lang, im Winter kurz, düster und kalt... Genau wie die Stadt es
auch zu sein scheint. Doch das Licht, die Kraft und die Wärme,
welche die Stadt eben doch ausstrahlt, ist anderswo zu finden. In
ihrer Kultur, in ihren Menschen, in ihrer Einzigartigkeit, in ihrem
Charme. Edinburgh bietet eine Fülle von Dingen, welche ich bisher
noch in keiner anderen Stadt fand.
Die Reise verlief bis anhin gut. Basel
passierten wir gewollt relativ schnell. Wobei hier anzumerken ist,
dass man Federer-Matches mit deutlich mehr Emotionen verfolgt, als
wir dies aus Luzern gewohnt sind. So verfolgten wir den Rest des
leider verlorenen Spiels in einem Bahnhof-nahen MC Donalds. Der
schlechteste MC Donalds der Schweiz, im Übrigen, aber darum geht es
ja nicht. Weitaus interessanter ist die Tatsache, dass bei verlorenen
Punkten unseres Tennisspielers schon mal Hüte und Jacken durch die
Gegend flogen, bei Gewonnenen lautstarke Testosteron-Schreie den Kehlen der anwesenden Männern entwichen.
Während der Fahrt nach Basel sammelte
das wundervolle Wetter nochmals die letzten Kräfte und zeigte sich
von seiner besten Seite. In Basel angekommen, verlor es allerdings
langsam an Ausdauer. Dunkle, Weltuntergangs-Wolken verdrängten Sonne
und Wohlgefühl. Kurze Zeit darauf, wir waren zum Glück bereits am
Flughafen, öffnete der Himmel seine Schleusen, Blitze begannen zu
zucken und Donner grollte. Und bemerkenswerterweise hat dieses
Gewitter bis jetzt noch nicht aufgehört... und 'jetzt' ist immerhin
schon eine Stunde später und wir warten weiterhin auf das Boarding,
welches sich 'dank' des Gewitters verzögert.
Teil 2
Nun haben wir es doch noch geschafft,
abzuheben. Respektive das Flugzeug... Mit leichter Verspätung
startete unser EasyJet- Flug und wir befinden uns nun über den
gewitterbringenden Wolken. Eine Szenerie eröffnet sich uns, welcher
man nie überdrüssig wird. Eine weisse Decke aus Watte unter uns,
weit in der Ferne kämpfen sich tapfere und rot
leuchtenden Sonnenstrahlen des Sonnenuntergangs als letzte Farbtupfer
an den Horizont und immer mehr Löcher in der Wolkendecke
veranschaulichen die lebendigen Lichtermeere der Städte und Dörfer.
Trotzdem bin ich froh, wenn ich diesen engen Sitzreihen der EasyJet
Flugzeuge entfliehen kann. Tanja hingegen treibt ihren ersten
Aufenthalt in einem Hostel, welchem sie mit Argwohn und Misstrauen,
aber auch mit viel Neugier entgegenblickt, zu einer raschen Ankunft
in Edinburgh.
Teil 3
Da sind wir also. Zurück im 16.
Jahrhundert. Zurück in einer Stadt, die ihr Anblick nie geändert zu
haben scheint.
Ihr hättet Tanjas Gesicht sehen sollen, als wir uns gestern die letzten Meter zu Fuss in unser Hostel wagten... Angsterfüllt und beeindruckt, misstrauisch und neugierig... Heute Montag werden wir diese Neugierde stillen :)
Ihr hättet Tanjas Gesicht sehen sollen, als wir uns gestern die letzten Meter zu Fuss in unser Hostel wagten... Angsterfüllt und beeindruckt, misstrauisch und neugierig... Heute Montag werden wir diese Neugierde stillen :)
Samstag, 17. August 2013
Paris- Frankreich
Ich war schon etliche Male in Paris. Zu jeder Jahreszeit
mindestens einmal. Ich habe alles mehrfach gesehen, was man als Tourist gesehen
haben muss und ich habe mich mit Einheimischen unter die Pariser Bevölkerung
gemischt. Trotz allem habe ich es bis dato nicht geschafft, einen Blog über
Paris zu schreiben. Warum? Ich weiss es nicht genau. Vielleicht, weil mir Paris
so viel gestohlen hat… darunter auch immer wieder aufs Neue die Zeit…
Vielleicht aber auch, weil mir Paris so viel gegeben hat, und ich dies zuerst
verarbeiten musste...
Das soll sich aber nun ändern:
Was mir Paris gestohlen hat? Meine Liebe, meinen Atem und
wie erwähnt, immer wieder viel Zeit.
Meine Liebe zu meiner Heimatstadt brachte
sie nicht ins Wanken, aber Liebe ist zum Glück kein sich ausschöpfender Vorrat.
Liebe kann man in die Unendlichkeit und zurück verschenken. Warum gestohlen?
Weil ich es zuerst gar nicht wollte. Ich mochte Paris die ersten Stunden meines
ersten bewussten Besuches nicht. Die Stadt, die Menschen, das Chaos… es passte
nicht zu mir. Doch dann riss es sich diese Liebe in einer hinterhältigen Aktion
ohne Vorwarnung an sich und liess sie nicht mehr los. Ich wusste nicht, wie mir
geschah. Ich war nicht in der Lage, mich zu wehren. Ich wusste nur, dass das
mit Paris und mir etwas Festes wird.
Die imposanten Bauwerke, die beeindruckenden Parkanlagen und
der atemberaubende
Grössenwahn der Franzosen- all dies lässt einen immer wieder in Ehrfurcht
erstarren. Besucht man zum Beispiel Versailles,
kann man sich getrost darauf einstellen, dass am Abend der Kiefer schmerzt,
denn öffnet man erstaunt den Mund zum ersten Mal, bleibt er offen bis zum
Schluss. Schlag auf Schlag folgen glorreiche Zeitzeugen eines prunkvollen und
so realitätsfremden Mittelalters. Das gigantische Gebäude, die goldverzierten
Tore oder der monströse Garten- es war ein Paradies in einer sonst
höllenähnlichen Welt. Stünde die Welt vor einem Armageddon, so würde ich mich
in Versailles trotz allem sicher fühlen.
Ich frage mich, wie die Pariser Bevölkerung mit der Tatsache
klar kommt, dass man in dieser Stadt nie Zeit hat. Als Tourist fühle ich mich
verloren. Verloren in einem Sog zeitfressender Strudel. Ich fühle mich in Paris
so schnell wieder zuhause, dass mir das Bewusstsein, bald wieder nach Hause zu
müssen, irgendwie abhanden kommt. Ich bin nicht in Paris, um wieder zu gehen,
ich bin in Paris, um zu sein… und um zu bleiben. Nicht für immer, nur für
länger… ein bisschen… und immer noch ein bisschen.
Was mir Paris gegeben hat? Selbstvertrauen, Verständnis,
Coolness.
In dieser Stadt leben die Menschen nicht nach einem
Gesellschaftsideal, sie leben für sich selbst. Jeder Mensch ist ein Individuum
und ihr Leben das Produkt ihrer kreativen Art und Weise damit umzugehen.
Deswegen wirken die Pariser oft so arrogant. Es ist ihnen im Grunde einfach
egal, wenn du mit ihnen nicht klar kommst. Wer z.B. schon mal in New York war,
kennt das Gegenteil. Diese vor Energie strotzenden Leute steuern ihren
Lebenssinn auf ein kollektiv- gesellschaftliches Ziel hin. In ihrem Sinn, den persönlichen
Zielen nachstrebend, verfallen die Pariser hingegen häufig ins exzentrische. Sie
kleiden sich getreu ihren Vorstellungen und frei von Gesellschaftsansprüchen
und reissen sich (viel mehr als in den USA) von Gesellschaftsidealen los. Man
würde sie in den meisten anderen Städten als komisch bezeichnen, in Paris haben sie hingegen Stil, denn sie
getrauen sich etwas. Diese Art der Selbstinszenierung sollte nicht unterschätzt
werden. Sich so in Szene zu setzen, wie man das möchte, ohne über Meinungen
anderer nachzudenken, ist ein grosser Teil einer gesunden Psychohygiene und
zeugt von einem gesunden Selbstvertrauen.
Paris, die Stadt der Liebe? Vielleicht. Wahrscheinlich.
Paris ist aber vor allem auch die Stadt der vielen Menschen. In Paris findet
man nicht nur einfach Menschenmassen. In Paris scheinen sich die Völker aller
Länder gleichzeitig zu vereinen. So zumindest im Sommer, wenn die ganze Welt
und zu allem Übel auch noch die Franzosen Schulferien haben. Ohne Geduld und Verständnis
prophezeit man sich alsbald selber in eine undankbare, ungemütliche Umgebung.
Mit der richtigen Einstellung und einem gesunden Sinn für Humor lernt man hier
aber selbst in den ungemütlichsten und längsten Schlangen interessante Menschen
kennen und kann eine wahre
Goldgrube der verschiedensten Kulturen beobachten.
…und schlussendlich sind sich wohl alle einig: in Paris
steht man für praktisch nichts vergebens an….
Pariser, dies als letzte Erkenntnis, sind
Überlebenskünstler. Allesamt. In einer Stadt, in welcher im Strassenverkehr
immer jener Vortritt hat, der entweder schneller, stärker oder wendiger ist,
mit einem Stadtzentrum, in welchem sich die durchschnittliche Bevölkerung weder
eine Wohnung noch ein Essen im Restaurant leisten kann, balancieren sich die Einheimischen
von Tag zu Tag durchs Leben. Getrieben werden die Meisten von der Liebe zu
ihrer Stadt. Welche sie im Endeffekt auch noch mit Millionen von nervigen
Touristen teilen müssen. Neben allen Widrigkeiten, die viele von ihnen jeden
Tag bekämpfen, haben sie den Sinn für das Schöne, für die Kunst und für den
Genuss nicht verloren. Im Gegenteil, sie zelebrieren ihre kulturellen Schätze
bewusst und inszenieren sie überschwänglich. Sie sind ein stolzes Volk, ein cooles
Volk.
Paris wird dich kaum in den ersten Stunden begeistern. Paris
wird dich nicht in erster Linie durch seine Schönheit fesseln. Paris hat eine
blosse oberflächliche Betrachtung auch einfach nicht verdient. Paris hat Ästhetik, die
Einheimischen haben Grazie. Melancholie und Tiefsinn überfallen einem nie nach
einem Tag. Das braucht Zeit- und Paris bietet beides konkurrenzlos. Diese Stadt zu mögen ist nicht schwer, sie zu
Lieben ist hingegen eine Fähigkeit, eine, die dein Leben entscheidend beeinflussen wird.
Paris hat sich in meinem Herzen eingebrannt. Über die Jahre
wurde ich gebrandmarkt…
Paris je t’aime!
Dienstag, 16. April 2013
Into the wild 10; Alaska
Alaska’s Natur, Teil 1: Die Natur entscheidet…
Wir sind nun seit einigen Tagen in Alaska. Nach dem Beginn in Anchorage hat es uns nun in die Natur gezogen.
Die Natur hier ist anders, sie ist nicht freundlich, sie heisst einem nicht willkommen, sie ist rau. Genauso wie uns der Jasper Nationalpark freundlich in seine atemberaubende Natur eingeladen hat, spüren wir den misstrauischen Blick Alaskas dauernd in unserem Rücken. Die kantigen Berge, die drahtigen, dürren Wälder und die scharfen Felsen, alles zeigt uns, dass wir vorsichtig sein sollen. Sie verscheucht uns keineswegs, die Natur, aber sie warnt uns. Sie wartet ab, sie beobachtet uns und sie entscheidet dann…
Alaska hat so viel zu bieten- es ist verständlich, dass sie ihre Schätze hüten will. Wir haben nur einen Bruchteil dessen gesehen, was dieser unglaubliche Bundesstaat zu bieten hat, aber bereits jetzt sind wir ob der unglaublichen Vielfalt begeistert.
Sie fletscht die Zähne- es gehört nicht uns, wir akzeptieren das. Wir sind nur Gast, wir nehmen alles in uns auf und hoffen, dass die Eindrücke noch langen halten werden. Besitzen können wir es nicht, mitnehmen auch nicht, es wäre Diebstahl… es wäre aber typisch Mensch. Sie weiss das…
Der Mensch hat auch hier viel zu oft seine Finger im Spiel. Viel zu viele hässliche Bauten stören die raue Natur. Auch die Natur ist oft nicht schön. Die Bäume sind teilweise kahl und leer, die Sümpfe grau und farblos. Aber sie muss niemandem gefallen, es ist ihr Zuhause, wir sind nur Gast. Wir sollten uns Mühe geben… Die Natur schlägt hier oft brutal und rücksichtslos zurück. Die unglaubliche Kälte, gefährliche Vulkanausbrüche und gewaltige Erdbeben. Sie entscheidet, wer willkommen ist…
Alaska zu beschreiben ist schwierig, wenn man selbst nicht genau einordnen kann, was man gesehen hat…
Alaska’s Natur, Teil 2: mit der Natur
Alaska ändert sein Gesicht von Sekunde zu Sekunde, von Meter zu Meter. Hier ist die Natur, wie fast überall auf dieser Welt, dort am höchsten einzuschätzen, wo die Menschen ihre Finger nicht im Spiel haben. Alaska ist einfach eine der einzigen Regionen, die selber dafür zu sorgen scheint, dass dies nicht überall geschieht. Sie ist trotzig, sie ist kampfbereit, sie ist selbstbewusst.
Die oft fehlenden Internet- und Handyverbindungen, dass teilweise das warme Wasser fehlt, dass Strom ab und zu ein kostbares Gut ist, dass es Orte gibt, in denen die Welt ausserhalb der Ortsgrenze kaum wahrgenommen wird… Es lässt die Menschen zu einem Teil der Natur werden, anders als anderswo, bewusster als fast überall auf der Welt.
Alaska lässt sich immer noch nicht besser beschreiben und wir werden es auch nach diesen 1,5 Wochen nicht können, aber wir erleben Alaska... aber wir lieben Alaska!
Auf bald!
Sonntag, 10. März 2013
Into the wild 9; Vancouver Island
Wie kann man nur?
Vancouver Island liegt hinter uns. Nanaimo, Tofino, Victoria. Nanaimo als Harbor- City, Tofino als Surfers- Paradiese und Victoria so richtig britisch. Alle drei Städte haben einen beachtlichen Vorteil, die Natur. Das einzige, was also noch getan werden muss, um ein Paradies zu erschaffen, ist mit Bedacht zu bauen. Ausser Victoria ist dies absolut misslungen…
Nanaimo hat ungefähr so viele Einwohner wie Luzern (60'000 - also vor der Fusion), liegt wunderschön in einer Passage auf Vancouver Island und wird durch wunderschöne Inseln geschmückt. Perfekte Bedingungen für eine tolle Hafen- Stadt. Was ist also unmittelbar am Hafen ein absolutes Tabu? Hochhäuser, die sogar noch unsere neuen Türme auf der Allmend weit in den Schatten stellen! Einkaufszentren, die beinahe auseinander fallen und vor allem Pennern ein Zuhause bietet! Fast- Food Ketten en masse! Quadratkilometerweise Industrie! Hätte man das den Bauherren aus Nanaimo doch vorher gesagt… Es hätte so wunderschön werden können…
Tofino hat nur etwas mehr als 1000 Einwohner und kann definitiv die schönste Natur aufweisen. Im Sommer tummeln sich Millionen von Touristen durch den kleinen Ort. Wenn man sich so kleine Städte an der Adria vorstellt, kann man die romantische Atmosphäre beinahe spüren. Schon alleine die vielen Touristen würde diese wohl zerstören, aber die absolut fehlende Ästhetik bei der Stadtplanung ist trotzdem schwer zu verzeihen. Jeder baut, wie er will. Da mal ein grüner Block aus Metall, daneben ein Oranger aus Holz und dazwischen eine beinahe in sich zusammenfallende Blechhütte, welche man farblich kaum definieren kann, da sie so verrostet ist. Kein Gebäude ist wirklich schön, aber in dieser Kombination sieht es oft grauenhaft aus. Zudem ist es so unglaublich lang gezogen, dass man teilweise zwischen den einzelnen Häusern hoffen muss, dass man sich nicht verirrt. Aber Tofino hat, und das muss definitiv gesagt sein, eine atemberaubende Landschaft.
Victoria hat ungefähr gleich viele Einwohner wie Nanaimo, ist die Hauptstadt des Staates British Columbia und macht vieles so unglaublich viel besser! Den britischen Charme merkt man sofort. Very british ist der Name, sind die Doppeldeckerbusse und ist auch die Architektur. Mit viel Liebe wurde die Innenstadt und die Strandpromenade aufeinander abgestimmt. Mit dem Miniaturmuseum, dem Undersea Garden und dem Wachsmuseum gibt es zudem noch „niedliche“ Ausflugsziele für den Kurzaufenthalt. Der einzige Ort, welcher ich der Stadt wegen wieder besuchen will!
Auf Bald!
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